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Verlassene Eltern – zwischen Schmerz, Schuld und generationsübergreifenden Wunden

  • Karin Müller
  • vor 1 Tag
  • 2 Min. Lesezeit

In letzter Zeit beschäftige ich mich intensiv mit dem Thema "verlassene Eltern". Bei meiner Recherche in sozialen Medien, besonders auf Plattformen wie Instagram, bezeichnen erwachsene Kinder ihre Eltern inflationär als „narzisstisch“. Was dabei auffällt: Die Perspektive der Eltern ist kaum sichtbar. Das mag auch an der Generation liegen – viele von ihnen sind nicht damit aufgewachsen, ihre innersten Gefühle nach außen zu tragen oder öffentlich zu reflektieren.

 

Doch was ist eigentlich ein Narzisst?

Ein Narzisst ist eine Person mit einem stark übersteigerten Bedürfnis nach Bewunderung und einem Gefühl von Überlegenheit. Gleichzeitig fehlt es an Empathie für andere.



Einsame Eltern beim Spazieren gehen

Trifft das wirklich auf all diese Eltern zu?

Oder schauen wir hier nur auf die Oberfläche eines viel tiefer liegenden Geschehens? Wenn wir in der Familiengeschichte zurückschauen, wird deutlich, dass nahezu jede Familie in Deutschland durch die Auswirkungen der beiden Weltkriege geprägt wurde. Männer kehrten traumatisiert aus dem Krieg zurück. Frauen mussten fliehen, erlebten Gewalt, Verlust und existenzielle Unsicherheit. Viele verloren ihre Heimat und ihren Besitz. Das alles hinterlässt tiefe Spuren.

Was passiert mit einem Menschen unter solchem Druck?Oft werden Teile des eigenen Erlebens abgespalten. Gefühle werden „abgeschaltet“, weil sie nicht auszuhalten waren. Das ist ein Schutzmechanismus, der verhindert, dass der Mensch daran zerbricht. Nach dem Krieg ging es ums Funktionieren. Der Wiederaufbau hatte Priorität. Für emotionale Verarbeitung gab es keinen Raum und kein Verständnis. Therapie war selten und gesellschaftlich stigmatisiert. Niemand wollte als „verrückt“ gelten. Gleichzeitig war das äußere Bild wichtig – was würden die Nachbarn denken?

 

Diese Generationen wurden zu Eltern. Eltern, die ihre Kinder nach bestem Wissen und Gewissen großzogen – jedoch oft ohne Zugang zu ihren eigenen Gefühlen. Sicherheit und Versorgung standen im Vordergrund.

  

Und die Kinder?Sie wuchsen in einem Umfeld auf, in dem etwas Entscheidendes fehlte: die spürbare, gelebte emotionale Verbindung. Einige wurden angepasst und „brav“, andere rebellierten. Wieder andere entwickelten Verhaltensweisen, die heute als narzisstisch bezeichnet werden.

Doch im Kern steckt oft etwas anderes: Ein tiefes, unerfülltes Bedürfnis nach Liebe und gesehen werden. Und selbst heute – in der dritten oder vierten Generation nach dem Krieg – sind diese Dynamiken noch spürbar.

 

Was bedeutet das für den Blick auf „verlassene Eltern“? Es geht nicht darum, Schuld zu verteilen, sondern Zusammenhänge zu erkennen.

Wenn erwachsene Kinder den Kontakt abbrechen, geschieht das oft aus Selbstschutz. Doch auf der anderen Seite stehen Eltern, die diesen Bruch nicht verstehen können.

 

Zwei Perspektiven. Zwei Wahrheiten. Und dazwischen eine tiefe, generationsübergreifende Wunde.

 

Wenn dein Kind den Kontakt abgebrochen hat, hinterlässt das Schmerz, Traurigkeit, Schuldgefühle und viele Fragen.

 

In meiner Begleitung schauen wir gemeinsam auf deine Familiengeschichte und machen diese Zusammenhänge sichtbar. In der systemisch-schamanischen Aufstellungsarbeit können wir vieles aufarbeiten und lösen. Du kannst deine belastenden Emotionen verarbeiten. So kann Schritt für Schritt mehr Verständnis entstehen – für dich selbst, dein Kind und eure gemeinsame Geschichte - für deinen inneren Frieden.


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