Selbstverneinung verstehen – Selbstzuwendung lernen
- Karin Müller
- 12. Mai
- 2 Min. Lesezeit
Es schmerzt uns sehr, dass uns Liebe und Zuwendung ausgerechnet dann unerreichbar erscheinen, wenn wir uns unglücklich fühlen und in Selbstverneinung verstrickt sind – genau in jenen Momenten, in denen wir sie am dringendsten bräuchten.
Wenn wir selbst nicht wohlwollend mit uns sein können, fällt es oft auch anderen schwer, liebevoll auf uns zuzugehen. Gerade in Zeiten größter Bedürftigkeit scheinen sich Menschen zurückzuziehen, was zutiefst verletzend sein kann.

Geht es uns wieder besser, kommen auch andere wieder näher. Und obwohl wir meist wissen, dass wir uns gerade in schwierigen Phasen mit Mitgefühl, Verständnis und Nachsicht begegnen sollten, gelingt es uns oft nicht.
Indem wir uns selbst verneinen, folgen wir unbewusst einem alten inneren Muster – einer frühen Überlebensstrategie. Einst mussten wir uns anpassen, uns zurücknehmen oder „anders sein“, um Bindung aufrechterhalten zu können. In unserer ursprünglichen Lebenssituation sicherte genau das unser Überleben: Nur so konnten wir in Beziehung zu unseren Eltern oder Bezugspersonen bleiben.
Diese Bindung – so belastend oder gar traumatisch sie gewesen sein mag – ist in unserem Inneren bis heute mit Halt und Überlebenssicherheit verknüpft. Unser tiefer Überlebenswille und die kindliche Liebe haben uns dazu gebracht, uns selbst zu verleugnen, um Fürsorge und Zugehörigkeit nicht zu verlieren.
Weil sich Selbstverzicht und Selbstverneinung innerlich nach Sicherheit anfühlen, ist es so schwer, sie loszulassen. Sich selbst liebevoll zuzuwenden bedeutet dann unbewusst, vertrauten Halt aufzugeben.
Wenn wir beginnen, uns selbst wieder mehr zu bejahen und uns mit Mitgefühl zuzuwenden, verändert sich auch unsere Ausstrahlung. Diese Veränderung wirkt auch im Kontakt mit anderen: Sie fühlen nicht mehr unbewusst die Aufgabe, unsere innere Not ausgleichen zu müssen. So verändert sich oft auch unser Umfeld. Manche Kontakte ordnen sich neu, während andere Menschen in unser Leben treten, die selbst weniger stark in Selbstverneinung verstrickt sind. Aus dieser neuen Resonanz heraus können Beziehungen entstehen, die von mehr Echtheit, gegenseitigem Respekt und wirklicher Zuwendung getragen sind.
Bei der Aufstellungsarbeit schauen wir uns diese Muster aus der Vergangenheit an, um uns in Zukunft selbst bejahen zu können und ohne die Bindung zu unseren Bezugspersonen zu verlieren.




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